Brummender Geweihträger mit Vorliebe für Eichensaft
17.05.2012 - Der Hirschkäfer ist Insekt des Jahres 2012 / Fünf Jahre unter der Erde
Kämpfende Hirschkäfer-Männchen
Der Hirschkäfer ist Insekt des Jahres 2012. Damit wurde eine Art gewählt, die in Deutschland sehr selten geworden ist. Dennoch kennt die Hirschkäfer eigentlich jeder. Sie sind bis zu neun Zentimeter groß und damit die größten Käfer in Mitteleuropa überhaupt. Nur die Männchen haben die gewaltigen, großen „Geweihe“, mit denen sie miteinander kämpfen. Die etwas kleineren Weibchen kann man aufgrund ihrer Größe von sechs Zentimetern trotzdem sofort als Hirschkäfer, wissenschaftlich: Lucanus cervus, erkennen.
Mit den „Geweihen“, den rund drei Zentimetern langen Oberkiefern, nehmen die Männchen keine Nahrung auf. Nur bei Rivalenkämpfen und zum Festhalten der Weibchen während der Paarung werden sie gebraucht. Die Hirschkäfer schwärmen von Mitte Juni bis Ende Juli an lauen Abenden mit lautem Brummen in Laubwäldern herum.
Sie lieben besonders alte Eichen. Männchen und Weibchen brauchen für die Reifung ihrer Keimzellen Baumsaft, der bestimmte Pilze enthält. Den finden sie an Wundstellen eines Baumes, der durch Frostrisse, Windbruch oder Blitzschlag verletzt worden ist. Der Saft aus solchen Baumwunden fließt häufig mehrere Jahre. Das Weibchen ist auch in der Lage, Wunden mit ihren kleinen, aber kräftigen Oberkiefern aufzubeißen. Für die Aufnahme von Säften sind Unterkiefer und Unterlippe des Hirschkäfers besonders ausgebildet: Sie sehen aus wie ein gefiedertes und gegabeltes Pinselchen, das gelb ist. Zur Paarungszeit kommt es häufig zu Kämpfen zwischen zwei Männchen, die sehr imposant sind. Einer der Käfer wird vom Ast gestoßen. Der Sieger sucht danach das Weibchen an der Leckstelle auf. Er stellt sich über das Weibchen, wobei die Köpfe in die gleiche Richtung zeigen, und verhindert mit seinem Oberkiefer, dass das Weibchen wegläuft. Männchen und Weibchen bleiben in dieser Stellung unter Umständen mehrere Tage über der Leckstelle stehen und nehmen immer wieder Nahrung auf, bis es zur Paarung kommt.
Das Weibchen gräbt sich nach der Begattung 30 bis 50 Zentimeter tief in die Erde ein, um im Laufe von zwei Wochen 50 bis 100 weißlich gelbe Eier außen an morsche Wurzelstöcke, vor allem von Eichen, zu legen. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Larven. Sie häuten sich zweimal und erreichen schließlich eine Länge von zehn bis zwölf Zentimetern, sind also größer als später die fertigen Käfer. Die Larven können knarrende Geräusche erzeugen, indem sie die Mittel- und Hinterbeine aneinander reiben. Zu welchem Zweck dieses Knarren erzeugt wird ist noch nicht geklärt.
Die Larven ernähren sich von morschem, feuchtem und verpilztem Holz, das sie mit der Zeit zu Mulm abbauen. Nach fünf, manchmal auch erst nach sechs oder acht Jahren bauen sich die Larven in 15 bis 20 Zentimeter Tiefe eine Puppenwiege aus Erde und Mulm. Dieser Kokon ist oval und etwa faustgroß. Seine zwei Zentimeter dicken Wände sind innen mit Nahrungsbrei und Sekreten geglättet, die Pilze und Bakterien abtöten können. Der Kokon der männlichen Larven ist wesentlich größer und vor allem länger als der des Weibchens. Das ist verständlich, denn für die Oberkiefer und für das Geweih braucht das Männchen Platz. Bei den Puppen sind die Oberkiefer noch an den Bauch angelegt. Etwa sechs Wochen nach der Verpuppung schlüpfen die Käfer, bleiben aber den Winter über im Boden. Erst im Frühjahr graben sie sich nach oben durch und leben dort nur wenige Wochen. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der Hirschkäfer also unter der Erde.
Der Hirschkäfer ist besonders geschützt, da er überaus selten ist. Wir haben ihm in den letzten hundert Jahren keine geeigneten Brutsubstrate gelassen. Auch an Saftleckstellen mangelt es. Die Ursachen liegen in der Intensivierung der Forstwirtschaft, bei der die Stubben gerodet werden und damit kein morsches Holz im Boden zurückbleibt. Daher ist der Hirschkäfer kaum zu finden und in vielen Gebieten völlig ausgerottet. Allerdings gibt es seit einigen Jahren Programme, die den Naturschutz in den Wäldern fördern sollen. Es sieht so aus, als könnten sich die Hirschkäfer wieder besser vermehren. Für eine endgültige Aussage ist es jedoch zu früh, da die Generationsfolge mit fünf bis acht Jahren sehr lang ist und merkbar mehr Tiere erst nach Jahrzehnten zu erwarten sind.
Den Hirschkäfer kennt jeder, leider häufig nur dem Namen nach. Auf ihr langes Leben und ihre Schönheit soll mit der Wahl zum Insekt des Jahres 2012 hingewiesen werden. Gleichzeitig sollen Waldbesitzer aufgerufen werden, die bisherigen Naturschutzbemühungen weiter zu verfolgen und beispielsweise in ihren Wäldern morsche Eichenstümpfe stehen zu lassen, um damit dem größten mitteleuropäischen Käfer eine Chance zu geben.
Das „Insekt des Jahres“ wird von einem Kuratorium zusammen für Deutschland, Österreich und die Schweiz gewählt. Der NABU ist im Kuratorium durch seinen Bundesfachausschuss Entomologie vertreten.
Die Ringelnatter liebt das nasse Element
16.05.2012
Wenn in den nächsten Wochen die Temperaturen weiter steigen, verlassen auch viele Reptilien ihre Winterquartiere. Die wechselwarmen Echsen und Schlangen sind auf die warmen Außentemperaturen angewiesen. Im zeitigen Frühjahr werden auch die heimischen Ringelnattern munter. Der Naturschutzbund NABU empfiehlt deshalb in seinem Naturbeobachtungstipp für April, beim Frühjahrsspaziergang einmal aufmerksam auf die häufigste unserer Schlangenarten zu achten.
Die grau bis grau-grün gefärbten Schlangen erreichen eine maximale Länge von 1,5 Metern, sind aber in der Regel kleiner. Eindeutiges Erkennungsmerkmal sind zwei am Hinterkopf liegende weiße, gelbe oder orange Nacken- oder Mondflecken mit schwarzer Begrenzung. Den Winter verbringen sie in einem Starrezustand in Höhlen und Unterschlupfen. Manchmal ruhen sie dort in Gesellschaft mit anderen Artgenossen.
Viele Menschen begegnen auch heute noch den Reptilien mit Unverständnis oder Abscheu. Doch keine Angst, Natrix natrix, so der wissenschaftliche Name, besitzt keine Giftzähne. Sie verschlingt ihre Beute. Auf ihrem Speiseplan stehen Frösche, Kröten und Molche, die sie in ihrem feuchten Lebensraum findet. Hin und wieder fängt sie auch mal eine Maus, Eidechse oder kleinen Fisch. “Ringelnattern bevorzugen keinen bestimmten Lebensraumtyp. Ob Sumpfwiese oder Bruchwald, sie mögen es gerne vielfältig mit wechselnden Strukturen, wobei die Nähe zu einem Gewässer ein wichtiges Kriterium ist,” erklärt der NABU.
Um ihre Vorzugstemperatur von 34°C zu erreichen, sonnt sich die Ringelnatter längere Zeit an offenen trockenen Sonnenplätzen. Hier läßt sie sich gut beobachten, weil sie angestammte Plätze bevorzugt und immer wieder dorthin zurückkehrt. Solche Plätze liegen manchmal auch an Wegrändern; glücklich können sich diejenigen schätzen, die sie sogar in ihrem Hausgarten entdecken. Nähert sich der Beobachter zu schnell ergreift sie die Flucht. Gelingt der Natter dies nicht, äußert sie ein lautes Zischen oder versucht den Verfolger mit einem stark riechenden Sekret abzuschrecken.
Als letzte Möglichkeit stellt sie sich tot, lässt ihre Zunge heraushängen und verdreht eindrucksvoll die Pupillen.
Verbreitungsschwerpunkte der Ringelnatter in Nordrhein-Westfalen sind das Süderbergland und das Münsterland. “Obwohl die Ringelnatter nicht zuletzt wegen ihres großen Lebensraumspektrums die häufigste Schlangenart in NRW ist, ist die geschützte Art doch einigen Gefährdungen ausgesetzt. Die Umwandlung der natürlichen Lebensräume, der Straßenverkehr und die Vernichtung von Eiablageplätzen sind neben den natürlichen Feinden die Hauptbedrohungen,” weiß der NABU.
Beliebte Plätze, an denen die Ringelnattern ihre Eier ablegen, sind Haufen mit verrottendem Material, die aufgrund von Gährungswärme eine höhere Temperatur als die Umgebung haben. Einige Holzmehlhaufen von Sägemühlen und vor allem Kompost- und Misthaufen erlangten auf diese Weise eine gewisse Berühmtheit als Vorzugsorte von Ringelnattern. Auch der Gärtner bekommt dann manchmal beim Umsetzen des Kompost- oder Dunghaufens die Schlangengelege zu Gesicht. “In einem solchen Fall sollte der Kompost vorsichtig zurückgeschichtet werden,” empfiehlt der NABU. Die 25-50 pergamentartigen Eier kleben meist aneinander. Nicht selten finden sich aber mehrere Weibchen an einem geeigneten Ort ein und legen die Eier in ein Gemeinschaftsgelege ab. Nach rund zwei Monaten schlüpfen die 15-20 Zentimeter langen Jungtiere.
Mit Salto über die Wiese - Flugkünstler Kiebitz
16.05.2012
Der Kiebitz ist ein Kulturfolger, der als typischer Bewohner des Offenlandes von der Kultivierung des Boden profitierte. Mittlerweile hat sich das Gesicht unserer Landschaft jedoch so stark gewandelt, daß sich die Lebensbedingungen des Kiebitzes drastisch verschlechtert haben. Mit der Kampagne “Landschaft schmeckt” hilft der Naturschutzbund NABU auch dem Kibitz (Vogel des Jahres 1996), indem seine ursprünglichen Lebensräumen geschützt werden.
Die Renaturierung von Auen und Niederungen oder die Wiedervernässung von Feuchtwiesen leisten hier einen wichtigen Beitrag. Als Brut- oder Rastplätze besonders geeignete Gebiete müssen vor zerstörerischen menschlichen Eingriffen bewahrt werden. Feuchtwiesenschutz kommt nicht nur dem Kiebitz zugute, denn fast 3500 Tierarten und eine Vielzahl verschiedener Pflanzen sind in diesem Lebensraumtyp zu finden.
Auch naturschonende Bewirtschaftungsformen helfen dem Kiebitz. Der Bruterfolg steigt, wo Weiden mit nicht mehr als einem Rind pro Hektar bestückt sind, wo bei Wiesen auf Mineraldünger und Gülle verzichtet und die Mahd auf ein bis zwei Schnitte pro Jahr reduziert wird. Ökolandbau mit einer geringeren Bodenverdichtung und Beeinträchtigung des Bodenlebens erleichtert ihm die Nahrungssuche.
Langfristig wird der Kiebitz nur dann eine Chance haben, wenn eine generelle Änderung der Agrarpolitik eingeleitet wird. Nicht Überschußproduktion, sondern eine an den tatsächlichen Bedürfnissen orientierte bäuerliche Landwirtschaft ist anzustreben. Umfassende Naturschutzprogramme können diese Entwicklung fördern.
Doch nach wie vor wird der umgekehrte Weg beschritten. In Osteuropa, wo der Kiebitz heute noch günstige Lebensbedingungen findet, werden mit Geldern der Europäischen Union weitreichende Entwässerungsmaßnahmen und eine Industrialisierung der Landwirtschaft vorangetrieben. Bald wird auch aus Osteuropa kaum noch ein Kiebitz nach Deutschland kommen, um uns vorzugaukeln, es gäbe noch eine ‚heile Kiebitz-Welt‘.
Sobald der Wiesenvogel im zeitigen Frühjahr in seinem Brutgebiet eingetroffen ist, beginnt er mit seiner imposanten Balz. Das Männchen fliegt zunächst eine längere Strecke mit tief ausholenden Flügelschlägen niedrig über den Boden. Dann steigt es plötzlich mit raschen Schlägen fast senkrecht zehn und mehr Meter nach oben und ruft dabei laut und heiser ‚chää-chwit‘. Nach einigen Metern Geradeaus-Flug folgt kopfüber ein dramatischer Absturz mit ‚Salto mortale‘, erklärt der Naturschutzbund NABU in seinem Tip zur Naturbeobachtung im März.
Der Kiebitz wirft sich auf den Rücken, schlägt laut rufend ein bis zwei wie Purzelbäume wirkende Rollen in der Luft und fängt den Sturz kurz vor Erreichen des Bodens mit einigen schnellen Flügelschlägen ab. Den Abschluß bildet ein Kurvenflug über dem Boden, wobei sich das Männchen von einer Seite auf die andere wirft. Dabei ist ein von den Handschwingen erzeugtes wummerndes Flügelgeräusch zu hören, das Wuchteln.
Bei der Bodenbalz läuft das Männchen mit steifen Schritten und etwas angehobenen Flügeln auf das Weibchen zu und richtet sich hoch auf. Dann wippt es mit dem Körper, zuckt mit den Flügeln, hebt den Schwanz etwas an und senkt sich vornüber mit der Brust auf den Boden, um das Zeremoniell des Scheinnistens einzuleiten. Die weit abgespreizten Flügel werden leicht aufgestellt, die eingeknickten Beine führen scharrende Bewegungen in einer imaginären Nistmulde aus. Nach dem Aufstehen werden ruckartig Grashalme über die Schulter geworfen.
Dieses gespreizte Verhalten ist, zusammen mit dem schillernden Metallglanz der Federn, der Grund dafür, daß der Kiebitz mancherorts auch Feldpfau genannt wird. Das Scheinnisten wird später auch vom Weibchen gezeigt. Eine der so entstandenen Nestmulden wird schließlich mit Halmen ausgelegt und beherbergt später das vier Eier zählende Gelege.
Wohnungsnot - auch bei Wildbienen
16.05.2012
Bienen bestäuben Obstbäume, klar. Ohne Bienen keine Früchte. Als fleißige Blütenbestäuberin hat sich die Honigbiene eine glänzenden Ruf erworben. Nur wenige Menschen kennen allerdings ihre kleinere, einzelgängerische Schwester, die Wildbiene. Honig liefert die unauffällige Verwandte nicht, doch die Blüte und Farbenpracht in unseren Gärten hätte ohne sie keine Chance. Die Einzelgängerin nistet in hohlen Pflanzenstengeln, Hohlfraßgängen und anderen Mietwohnungen in der Natur. In Deutschland gibt es 500 verschiedene Wildbienenarten.
Seit einigen Jahrzehnten stellen Wildbienenforscher vom NABU einen starken Rückgang der sogenannten solitär lebenden Bienen und Wespen fest. Ursachen sind zum einen Umweltgifte, zum anderen Beseitigung geeigneter Nistplätze. Jeder Gartenbesitzer, der im Herbst saftiges Obst liebt, kann den bedrohten “Singles” bei der Nistplatzsuche mit angebohrten Holzklötzen, Bienensteinen, hohlen Pflanzenstengeln oder alten Lochdachziegeln unter die Flügel greifen. Gerade im Frühjahr krabbelt die dunkelbraune Mauerbiene ans Tageslicht und sucht nach passenden Kinderstuben. An Weidenkätzchen, Veilchen und anderen Frühlingsblumen sammelt Mutter Wildbiene Blütenstaub und Nektar. Futter und Eier legt sie in selbstgemörtelte Brutzellen , leimt einen festen Deckel drauf und fertig ist die Bienenwiege.
Aber kaum liegen die Bienenlarven im Nest, naht auch schon der Feind: Die wunderschöne metallisch glänzende Goldwespe. Etwa 60 Golwespenarten leben in Mitteleuropa. Die Weibchen dringen in Bienennester der verschiedenen Wildbienenarten ein und legen dort ihre Eier. Gegen Bienenstiche sind sie schwer gepanzert. An dem Panzer gleitet der Stachel der Angreifer ab. Die Goldwespenart Chrysis dichroa legt ihre Eier in die Brutkammer einer Mauerbiene. Die ausschlüpfende Wespenlarve verhält sich ruhig und lässt die Bienenlarve fressen. Erst wenn diese groß und fett ist, bringt sie sie um und frisst sie auf.
Natürlich dürfen im Garten nicht die entsprechenden Wildblumen zur Nahrungsversorgung der Wildbiene vergessen werden, denn viele Wildbienenarten sind an Nesseln, Malven, Glockenblumen, Fetthenne und Wicken als Nahrungsquelle gebunden. In Balkonkästen sind besonders Stauden wie die Zwiebelgewächse Krokus und Narzisse interessant; später blühen Glockenmblume, Dornige Hauhechel, Witwenblume, Margerite und Schwertalant.
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